14. Juli 2016

Niemand kann fieser zu dir sein, als du selbst!


Wohin man auch schaut, überall wird Selbstliebe und Selbstakzeptanz propagiert. Die Pforten für Toleranz gegenüber allen Körperformen beginnen sich langsam, aber immer mehr zu öffnen. Richtig so! Doof nur, wenn man das für sich selbst gar nicht so richtig annimmt. Schöne kurvige Frauen im Bikini werden bei Facebook geliked wie verrückt, aber überträgst du das auch auf dich?
Wenn du das hier liest, wirst du höchstwahrscheinlich nicht immer strahlend und zufrieden mit dir selbst durchs Leben gehen. Ich habe auch meine Down-Phasen. Vermutlich nerven dich Verwandte und Freunde mit „gut gemeinten“ Ratschlägen a’la „Du könntest ja auch ein bisschen weniger auf den Hüften haben“  und merken dabei gar nicht, dass Sie dich mit solchen Aussagen - wenn auch ungewollt - verletzen und klein machen. Egal wie toll du dich in der vorangegangenen Situation gefühlt hast – wegen eines tollen neuen Outfits oder Haarschnitts – du hast nach so einem Kommentar ein komisches Gefühl in der Magengegend und die gute Laune ist getrübt oder ganz weg. Sogar ein heißgeliebtes Kleidungsstück, dass du dir gegönnt und in dem du dich schön gefühlt hast, könnte dir durch einen unbedachten Kommentar vermiest werden.
Wenn mir so etwas , z.B. auf einer Familienfeier oder Party, passiert ist (heute weniger als früher), stehe ich manchmal am nächsten Morgen vor dem Spiegel und betrachte mich ganz kritisch. Fühle ich mich so wohl? Soll ich mich ändern? Machen 20 kg weniger einen anderen Menschen aus mir? Mit welchem Recht kritisiert mich Person XY überhaupt? Bist du so hässlich, dass andere es nicht ertragen können und über dich reden? Hat gestern jemand mit dem Finger auf dich gezeigt? Was denken denn die Leute von dir?
Und schon bist du dabei dich erfolgreich selbst fertig zu machen! Dein Kopf kommt dir in die Quere.
Ein einziger unbedachter Kommentar löste in mir, teilweise heute noch, massive Selbstzweifel und früher regelrechten Hass auf meinen Körper aus. Klaro war es toll mit Größe 38/40 die Klamotten von der Stange zu kaufen, aber war ich nur wegen meiner Kleidergröße liebenswerter, hübscher, intelligenter, oder wertvoller? Die Schuldfrage ist da so ein zweischneidiges Schwert. Warum fühle ich mich so schlecht, wenn ich nicht dem gängigen Ideal entspreche? Liegt es an mir oder den anderen, dass ich mich selbst als "nicht der Norm entsprechend" empfinde.
Klar, die Gesellschaft mit ihrem Idealbild ist ganz schön unbarmherzig und dem von Medien und Photoshop erstellten Schönheitsvorgaben kann so gut wie kein normaler Mensch entsprechen, zumindest nicht ohne Personaltrainer, Stylist & Co.  Ich wünsche mir, dass in dieser Hinsicht noch ganz viel in Bewegung kommt um den Weg für Menschen, die diesem Ideal nicht entsprechen, einfacher zu machen und auch die Gesellschaft zu stärken, sich diesem gängigen Schönheitsideal nicht zum Sklaven zu machen.  Ernsthaft, selbst kleine Mädchen im Kindergartenalter kommen nach Hause und fragen „Mama, bin ich dick?“.  Da wird ein Schönheitsideal schon auf vierjährige Kinder übertragen – ein Kind sollte nicht über seine Figur nachdenken sondern unbeschwert, gesund und mit einem positiven Körpergefühl aufwachsen dürfen.
Jetzt kommen wir aber zum eigentlichen Problem, zu dir selbst: Dein Umfeld, deine Erziehung und die Vorstellungen und Ideale aller Personen um dich herum hast du als Kind angenommen und verinnerlicht - ja geradezu aufgesogen. Das ist ja bei Werten und Normen auch gut und richtig so  - schlage niemanden, sei höflich, lüge nicht, etc.  Aber wenn andere Ideale, die falsch, krank und überhaupt nicht zu erreichen sind, bei dir eingespeichert werden, ist es wahnsinnig schwer, diese falsche Programmierung wieder zu löschen. Dabei ist es egal, ob es um dicke oder dünne Menschen geht, jeder versucht einer bestimmten Norm zu entsprechen um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden und dazu zu gehören. Und jetzt kommst du: Jemand kritisiert dich und sagt dir damit, du bist nicht ok wie du bist. Und du machst dich fertig, weil du selbst glaubst, du bist wirklich nicht ok, also zu dick, zu dünn, zu blond... (bla bla bla).


Glückwunsch liebe Gesellschaft - man fühlt sich scheisse, wenn man nicht wie ein Model aussieht - gut gemacht! Klar ist es gut Ziele zu haben und das beste aus sich herausholen zu wollen, aber die Ziele müssen auch erreichbar sein. Du solltest dich nicht als wertlos, schlecht oder weniger liebenswert betrachten, nur weil du den ästhetischen Vorstellungen anderer um dich herum nicht entsprichst. Denn was für ein Mensch du bist, steht nicht im Schildchen deiner Klamotten.
Selbstkritik kann eine Motivationsquelle sein, unbestreitbar, aber sie kann auch der Ursprung dafür sein sich unglücklich zu fühlen, ja sogar depressiv zu werden. Ich glaube nicht, dass man seinen Antrieb sich zu verbessern verliert, wenn man sich selbst annimmt, sondern man beginnt das Leben aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und zu leben. 
Soll ich dir etwas verraten: Du bist hervorragend genau so wie du bist! 
Mach dich nicht fertig. Akzeptiere dich selbst. Gib dir selbst ein Like. Das Leben ist viel zu kurz um sich selbst fertig zu machen, verschiebe die schönen Dinge im Leben nicht auf eine Zukunft in der du vielleicht Kleidergröße XY trägst. Du lebst jetzt! Trage doch einfach den supercoolen Jumpsuit oder den schicken Bikini, worauf wartest du? Sich selbst vor dem Spiegel zu kritisieren bringt dir gar nichts, außer einem miesen Gefühl und einem schwachen Selbstbewusstsein. 

Der Mensch, der am fiesesten zu dir sein kann, bist du selbst - das solltest du dir klar machen. Du selbst bist dein größter Kritiker und nur du kannst steuern, wie du mit dir umgehst und du dich dadurch fühlst. Selbsthass ist der Garant dafür unglücklich zu sein. Lobe deine Vorzüge, zähle auf, was du an deinem Körper magst. Sei gut zu dir! Mit einem gestärkten Selbstbewusstsein, prallen unüberlegte Kommentare eher von dir ab.


Männer sind da echt anders als Frauen - Männer stehe morgens nicht vorm Spiegel und sagen "Oh Shit, meine Wampe, und diese Oberarme, ach und meine Füße finde ich auch hässlich. Und iiih diese Beine!". Wir sollten uns mehr von Männern abgucken, die stehen vorm Spiegel und sagen sich "Geiler Typ!". Eine positive Einstellung lässt dich strahlen.



Nimm dich an wie du bist, sei nicht  fies zu dir selbst, denn das hast du nicht verdient. Sich selbst zu akzeptieren mag schwer erscheinen und auch ein langer Weg sein, aber sich morgens im Spiegel einfach mal anzulächeln ist schon ein guter Start.


Einen wundervollen Juli!
Deine Jessi




PS: Hier war es in den letzten Wochen aus privaten Gründen etwas still, keine Sorge: Das ändert sich wieder und ja, es gibt bald auch wieder ein Outfit zu sehen :-)