29. März 2016

6 Tipps zur Vermeidung von Fehlkäufen - oder: Wie ich mein Modeferkel handzahm bekomme!



Ich shoppe ja gerne, na gut – welche Frau nicht. Aber am liebsten shoppe ich online. Zum einen gibt es im Internet, gerade in großen Größen, eine richtig tolle Auswahl  und zum anderen ist es so schön einfach. Ich habe oft keinen Bock mich durch überfüllte Geschäfte mit anstrengender, viel zu lauter Musik zu kämpfen, um jedes Mal aufs Neue festzustellen, dass  es a) das süße Oberteil nicht mehr in meiner Größe gibt, b) noch nie in meiner Größe gab, weil bei Größe 42 Schluss ist oder c)wenn es denn etwas in meiner Größe gibt, nur 2 Umkleiden für 10 Frauen vorhanden sind.  Schuhe kaufen geht ja echt, aber Klamotten oder noch schlimmer – Unterwäsche- sind eine echte Qual im Freiluftshopping.


Und überhaupt, die Beleuchtung in Umkleidekabinen ähnelt ja oft dem Licht der Fleischtheke im Supermarkt, sodass man jeden noch so kleinen Makel sieht und sich überhaupt nicht mehr auf die Klamotte konzentriert. Umkleidebeleuchtungsdesigner – sowas sollte jedes Geschäft haben, das etwas auf sich hält. Die Umsätze würden garantiert in die Höhe schießen und die Frauen wären viel glücklicher beim Einkaufen.


Außerdem passiert es mir ab und zu, dass ich aus Frust etwas kaufe, was ich gar nicht brauche. Du gehst los und brauchst dringend eine neue Hose, Jeans oder einen Rock und findest – oh Wunder – nichts. Aus Verzweiflung kaufst du Schuhe, zumindest hast du dann etwas in der Tüte. Dieses Phänomen funktioniert aber auch mit Online-Shopping. Man bestellt fleißig – natürlich viel und manches in zwei Größen, nur zur Sicherheit - und stellt zuhause fest, dass die Klamotte nicht sitzt, der Stoff anders als erwartet ist oder das Muster im Katalog irgendwie doch ganz anders aussah. Trotz der wunderbaren Möglichkeit die Klamotten zurückschicken zu können, reitet mich manchmal ein inneres –na nennen wir es mal – Modeferkel. Und so gesellt sich der offensichtliche Fehlkauf zu meinen Lieblingsklamotten in den Schrank.


Mein Modeferkel hat mich schon etliche Male dazu gebracht, mir im tiefsten Winter ein Sommerkleid zu kaufen, einfach weil es so günstig war- bis zum Sommer ist es dummerweise in Vergessenheit geraten. Oder eine coole Bluse, die ich so ähnlich mal an irgendeinem Star gesehen habe und auch unbedingt haben muss – steht mir im Endeffekt aber gar nicht so richtig, was mir dummerweise erst Wochen später auffällt.  Klamotten, die aus komischen Launen gekauft und behalten wurden, stauben ein. So hängen diese Schrankleichen dann im chronisch überfüllten Kleiderschrank, teilweise noch mit Preisschild und weinen leise vor sich hin, weil sie keiner anzieht.


Schade um das Geld und den Platz! Ist so etwas vermeidbar?
Vielleicht nicht immer, aber ich verfolge ein paar Fehlkaufvermeidungs-Strategien, um meinen Geldbeutel zu schonen. Hier sind sie:

  1. Quittungen aufheben bzw. Zeitpunkt für Rücksendung festlegen
    Klingt simpel, aber wie oft spazieren wir ohne Quittung aus dem Geschäft, schmeißen sie zu voreilig weg oder entsorgen den Retoure-Aufkleber unüberlegt? Ein kleiner Schuhkarton für Quittungen im Nachtschrank oder einer Schublade (den ich übrigens auch für meinen Lohnsteuerjahresausgleich zum Sammeln nutze), wirkt da Wunder. Man muss nichts abheften, weiß aber trotzdem wo die Quittung für einen eventuellen Umtausch liegt. Wenn 10 Tage um sind und man bestimmte Kleidungsstücke des letzten Einkaufs noch nicht einmal angezogen hat, sollte man über einen Umtausch nachdenken. Meiner Erfahrung nach, trägt man Klamotten, die man in der ersten Woche nicht anzieht, auch danach nicht. Bei Online-Bestellungen sollte man sich daher einen Stichtag setzen, nicht zu früh, am besten eine Woche nach Anprobieren der Kleidung, um die Retoure zu erledigen und das Paket auch direkt zur Post bringen.  
  2. Über Outfits/Kleidungsstücke auch mal eine Nacht schlafen
    Du bist dir unsicher bzgl. des neugekauften, ultrakurzen Rockes? Schlaf eine Nacht drüber! Ziehe den Rock am nächsten Tag zuhause vor deinem Spiegel noch einmal an und überlege gut, mit welcher Kleidung aus deinem Kleiderschrank du es kombinieren könntest bzw. zu welcher Gelegenheit du die Klamotte tragen würdest. Dies ist gerade bei Kleidung clever, die dir gewagt erscheinen.  Stell dir die Frage: Würde ich damit jetzt vor die Tür gehen? Wenn du die Frage mit Ja beantworten kannst, behalte den Rock und freu dich auf seinen ersten Auftritt.
  3. Outfitshopping
    Manchmal kauft man Kleidungsstücke, weil sie so cool sind, aber eigentlich hat man überhaupt keine Ahnung, mit was man das am besten kombiniert. Daher mein Tipp: Outfit-Shopping. Verzichte darauf einzelne Teile zu kaufen, sondern shoppe die passende Hose oder Jeggings zum coolen Oberteil direkt mit. So vermeidest du es vor 5 schicken Teilen in deinem Kleiderschrank zu stehen, für die du keine Kombinationsmöglichkeiten hast und zu jammern „ich habe nichts anzuziehen“.
  4. Du bist dir unsicher? Frag eine Freundin, auf keinen Fall deinen Freund/Mann!
    Du weißt noch gar nicht so recht, ob die Kunstlederjeggings wirklich etwas für dich ist? Frag deine beste Freundin/Schwester oder jemanden, von dem du eine ehrliche Antwort erwarten kannst.  Jemand, der dir nach dem Mund redet, kannst du in Outfitfragen nicht gebrauchen.  Der Freund oder Ehemann sollte lieber nicht gefragt werden, denn – seien wir ehrlich – eine wirklich brauchbare Antwort in Outfitfragen kriegt man von den wenigsten Männern.
  5. Wunschzettellisten
    Bei aktuellen Kollektionen kann man schon beim Einkaufen Fehlkäufe vermeiden, denn bei vielen Online-Shops kann man sich Wunschzettel anlegen. Bevor man sich also den Warenkorb „vollrammelt“, erst einmal die Artikel auf die Wunschliste legen und einen Tag später noch einmal kritisch anschauen - manches fliegt dann doch wieder von der Liste. Ich hinterfrage dabei auch oft den Preis, frei nach dem Motto „will ich für ein Shirt wirklich 50 Euro hinblättern?“ . Eine eigene Schmerzgrenze für Preise ist gerade beim Online Shopping sinnvoll, denn gerade das Internet verlockt mit Kauf auf Rechnung. Im Geschäft halten wir unser Geld oft besser zusammen.
  6. Mach dir über die Jahreszeit Gedanken
    Ein Rollkragenpullover im Hochsommer – den braucht nun wirklich niemand, wobei aber gerade im Schlussverkauf viele „Schnäppchen“ locken. Trotzdem ist es sinnvoll der Jahreszeit entsprechend einzukaufen, auch aktuell gibt es oft manches schöne Schnäppchen. Natürlich kann der tolle Rollkragenpullover trotzdem gekauft werden, wenn du so einen schon immer für den Winter wolltest, spätestens wenn es kalt wird, freust du dich über dein Schnäppchen. Aber vermeide es deine ganze Garderobe Monate im Voraus im Schlussverkauf zu shoppen, da geht meistens schief.
    Mut zur Lücke…Fehlkauf trotzdem passiert?
    Du hast trotz Beachtung aller Tipps Schrankleichen, weil dein Modeferkel erbarmungslos zugeschlagen hat? Na und - dann ist es eben so! Wenn du das nächste Mal deinen Schrank aussortierst und dir eine Klamotte in die Hände fällt, ärgere dich nicht. Die Schrankleichen haben oft tolle „Bei-Geschichten“, weil man sie meist unter merkwürdigen Umständen gekauft hat. Shit happens!
    Und was mache ich mit meinen Schrankleichen?
    Du trauerst um die Kohle, die ungetragen in deinem Schrank hängt? Wozu gibt’s ebay?! Alternativ kannst du auch bei Kleidertauschbörsen deine Sachen anbieten, vielleicht gibt es ja jemanden, der deine Kleidung aus ihrem tristen Dasein befreit und zu neuem Glanz verhilft. Oder vielleicht kannst du sogar Nähen und machst etwas komplett Neues aus deiner Schrankleiche? Es gibt auch viele Verschenke-Gruppen bei Facebook, vielleicht freut sich ja jemand darüber.  Es gibt auf jeden Fall viele Wege, Schrankleichen loszuwerden und Platz im Schrank zu schaffen für deine neuen Lieblingsteile. Probiere es aus! 




21. März 2016

Ich, mein Burger und die Anderen! Oder: Warum einem immer erst später eine schlagfertige Antwort einfällt.


Ein schöner Freitag-Abend sollte es werden, wir sechs Mädels – nach Wochen endlich mal wieder einen freien Termin gefunden neben Kindern, Haus, Job, Mann – nur unter uns in einem netten Restaurant. Burger wollten wir essen, denn das geht auch ohne Fast-Food Ambiente mit Gruß aus der Küche und einem Glas Wein hervorragend, zumindest in meinem Lieblingsrestaurant. Man freute sich, kicherte, eine berichtete, dass sie mit dem 2 Kind schwanger sei, die andere vom Jobeinstieg nach 4 Jahren Elternzeit, die nächste berichtete von der Renovierung des kürzlich angeschafften Eigenheimes, die nächste von der ergebnislosen Haussuche und eine andere von den Hochzeitsvorbereitungen. Meine Highlights waren die kürzlich, durch viiiiiel Glück, gefundene neue Wohnung, auf die mein Mann und ich uns schon sehr freuen und meine neue Frisur-raspelkurz. Die vorherigen schulterlangen Zotteln ohne Farbe und dünn wie Spaghetti konnte ich nicht mehr sehen.

Egal, zum eigentlichen Thema: Ich habe eine „Freundin“, die sich in der Vergangenheit über eine flüchtige Bekannte ausgelassen hat, weil Sie sehr dick ist, quasi in Richtung Tess Holiday – die ich im Übrigen vergöttere. Jedenfalls war diese flüchtige Bekannte und deren Affäre wieder einmal Thema und meine „Freundin“ machte sich lustig, weil mit dieser Frau Sex zu haben sei ja oberwiderlich und es schwabbele ja alles und pfui und überhaupt.  Ich sagte, trotz meiner sonst so großen Klappe, nichts! Ich starrte in mein Weinglas, weil ich so verletzt war. Ich muss dazu sagen, ich trage Größe 46. Ich fühlte mich angegriffen, war wütend, aber einfach zu perplex um aufzumucken, deshalb schwieg ich. Ich fand das, was meine sogenannte "Freundin" da minutenlang vom Stapel ließ einfach nur hohl und oberflächlich. Noch dazu kam, dass der besagte Mann in der Affäre mein Ex-Freund war, und darüber diskutiert wurde, dass er ja vielleicht auf korpulente Frauen steht. NA UND?

Endlich Zuhause war ich in Versuchung eine zu rauchen (eigentlich habe ich aufgehört), ich ärgerte mich und dachte so viel über diese Situation nach, dass ich auch mit keinem darüber gesprochen habe. Nicht einmal mit meinem Mann. Am Sonntag ging ich joggen und ließ mir alles noch einmal durch den Kopf gehen, und wurde immer angepisster. Ich wusste, wenn ich das nicht irgendwie rauslasse, explodiere ich.
Ich habe intensiv darüber nachgedacht, warum ich mich angegriffen fühlte. Großartig identifiziert habe ich mich bisher nicht mit der "Bekannten". Klar, ich bin dick, aber mir wurde klar, dass ich da immer für mich differenziert habe in ein bisschen dick, nur dick und sehr dick. In diesem Moment steckte mich meine „Freundin“ ohne Differenzierung einfach mit in die große Schublade „Dick“. Im ersten Moment war es mir nicht klar, aber es störte mich plötzlich die Dicke zu sein. Beim Joggen fiel mir auf, wie dumm und hohl meine eigene Einstellung  eigentlich ist, ein bisschen dick oder sehr dick – das ist doch völlig egal. Ich bin doch nicht besser, nur weil ich 20 kg weniger wiege als die Bekannte und "nur dick" bin, aber noch nicht "sehr dick" .Und warum darf man über „sehr dicke“ ungestraft herziehen, während man sich bei „ein bisschen dick“ noch zurückhält. Sowieso ist es gesellschaftlich offenbar absolut in Ordnung über „Dicke“ herzuziehen, denn Dicke sind ja selber schuld, könnten ja einfach abnehmen, müssen ja nicht so viel fressen, usw. Hä? Ist das nicht paradox? Man sagt doch einem Depressiven auch nicht „sei doch einfach wieder fröhlich“.  Womit ich jetzt nicht sagen möchte, dass Dick=Krank bedeutet, mir geht es hervorragend - vielen anderen sicher auch. Ich würde mich sogar als fitter bezeichnen als manche meiner Freundinnen, von denen schafft keine eine 8km-Lauf. Und hört mir jetzt bloß auf mit "die Knochen und Gelenke"...Bullshit! Wenn man auf die Signale seines Körpers achtet, nimmt man dabei keinen Schaden!
Die Gründe, warum jemand übergewichtig ist, sind so vielfältig wie die Menschen. In den wenigsten Fällen ist es die "Schilddrüsenerkrankung" oder die Geburt eines Kindes. Ich war schon vor der Geburt meines Sohnes dick, aber auch phasenweise schlank . Ich bin überzeugt, dass da sehr viele Faktoren zusammen spielen und sich auf psychischer Ebene eine Menge abspielt, was zum Dicksein führt. Permanente Diäten machen das nicht besser. Würde ich mein Verhalten genauer analysieren, würde ich bestimmt einige Verhaltensmuster und andere Faktoren erkennen, die dazu geführt haben, dass ich heute schwerer bin als je zuvor – meine Schwangerschaft nicht mitgezählt. Aber will ich das? Ich dachte eigentlich immer, dass ich selbstbewusst genug bin um mit jedem Gewicht glücklich zu sein; war doch mein Hochzeitskleid ein figurbetontes saucooles Teil in Größe 44. Und jetzt war ich plötzlich die Dicke. Klar, wenn ich vorm Spiegel stehe und meinen Kleiderschrank durchwühle denke ich auch manchmal „hach wär das toll, in diese Hose wieder rein zu passen“. Aber dann ziehe ich was anderes aus dem Schrank, style mich und fühle mich schön, meistens. Natürlich gibt es doofe Tage, aber meistens find ich mich gut so wie ich bin, und gehe selbstbewusst durchs Leben. Ich habe mich mit mir angefreundet, denn es ist doch scheisse sich wegen seiner Figur ständig selber fertig zu machen. Das machen ja andere schon ganz unverblümt.

Mittlerweile bin ich auf besagte „Freundin“ immer noch wütend und enttäuscht, tröste mich aber damit, dass ihre Meinung hohl und oberflächlich ist und ich mit ihr sowieso kaum noch etwas zu tun habe. Fat Shaming ist scheisse, jedoch sagt das Gesagte dieser Frau mehr über sie aus, als über mich oder andere Dicke. Ich werde sie nicht darauf ansprechen. Ich lege mir einige Sprüche zurecht, die ich ihr bei nächster Gelegenheit (und die wird es sicher geben) um die Ohren haue. Na klar ist es sinnvoller jemanden darauf aufmerksam zu machen und sich wie Erwachsene darüber zu unterhalten, jedoch möchte ich sie genauso unvorbereitet treffen wie sie mich. Danach kann ich ja immer noch mit ihr erwachsen darüber sprechen.

Trotzdem muss ich der "Freundin" auch dankbar sein, denn ich habe lange über mich und mein Selbstbild nachgedacht.  Ich habe viel zu Fat Shaming und Fat Acceptance gelesen und Storys gehört, wo Menschen auf fiese Art und Weise diskriminiert wurden. Ich habe mich intensiv mit einem Thema auseinander gesetzt und bin fassungslos, wie mit übergewichtigen Menschen umgegangen wird, sogar im eigenen Familien- und Freundeskreis. Und vielleicht da noch viel schlimmer, weil  das immer als Freundschaftsdienst oder "ich bin ja nur ehrlich" verkauft wird, wenn man auf dich einredet und sagt, dass man doch nur dein Bestes wolle. Als ob abnehmen so leicht wäre. Schon mal versucht mit dem Rauchen aufzuhören? Meiner Erfahrung nach ist das leichter.

Schlussendlich aber: Jetzt kann ich sagen, ja scheiss doch drauf, ich trage Größe 46.  Und ja, ich gehöre zu den Dicken (ohne Differenzierung). Und jetzt werde ich jedem auf den Sack gehen, der es toll findet über Dicke herzuziehen und diese zu belehren. Mir gehen die aufgedrückten Abnehmtipps und "du könntest schon ein paar Kilo weniger haben" Sprüche schließlich auch auf die Nerven! Freut euch, ihr Aktiven, die ihr euch für Fat Acceptance stark macht, denn ihr habt eine neue Verbündete: Mich!