27. April 2016

Haare selbst gemacht: Von braun auf blond mit colourB4 & Co. ohne Gelbstich!


Hallihallo Du,

vielleicht kennst du das ja auch: Du warst beim Friseur, hast dir einen richtigen coolen Schnitt verpassen lassen, aber für die Farbe 50,00 Euro hinblättern – auf keinen Fall!
Oder du wolltest „mal wieder was anderes“ auf deinem Kopf und hast in deinem Veränderungseifer im Supermarkt nach der nächstbesten Haarfarbe gegriffen.  Tja, und jetzt stehst du vor dem Spiegel und irgendwie - also so richtig ist das nicht deine Farbe. Und überhaupt, was war denn an der alten Haarfarbe eigentlich so schlecht?

Ich stehe ja immer mit meiner dunklen, neuen Farbe vorm Spiegel – nach langer Blondzeit – und denke mir „Neeeeein, du hast es schon wieder getan!“ . Doof, aber nicht so schnell zu ändern?! Ja eben doch! Entweder mit einem kostspieligen Friseurbesuch oder vielleicht mit  ColourB4 Haircolour Remover.

Ich muss aber dazu sagen, dass ich zum allerersten Mal und erst nach langer, intensiver Recherche, meine Haare selbst von Braun auf Blond „bearbeitet“ habe.  Zudem kenne ich mich mittlerweile, was die chemische Komponente beim Haarefärben angeht, gut aus und weiß, wie meine Haare auf welche Behandlung reagieren.  Für Self-Made-Neulinge im Haarfarben-Bereich, würde ich aber immer den Friseurbesuch empfehlen. Die Friseurinnen wissen was sie tun und da gibt es keine bösen Überraschungen.

Ich habe mich entschieden es selbst zu machen, weil ich die braun-auf-blond-Prozedur schon öfter beim Friseur durchgemacht habe und das Ergebnis immer gelbe Haare waren, die – natürlich – danach viel Pflege und Erholung benötigten. Dies ist mit ColourB4 aber nicht anders, Chemie greift nun einmal die Haare an. 

Was macht der Entfärber mit den Haaren? Der ColourB4-Haircolour-Remover verkleinert - vereinfacht ausgedrückt - die künstlichen Farbmoleküle in den Haaren, sodass man sie mit viel, viel, viel, viiiiiiel klarem Wasser aus den Haaren ausspülen kann. Glaub mir, du musst wirklich lange und ordentlich ausspülen, sonst wird das nichts. 

Und die einzelnen Schritte? Da eine ausführliche Anleitung dabei ist, würde ich jetzt nicht unbedingt auf die einzelnen Schritte eingehen. Lies dir aber vorher die Anleitung und ggf. noch die Hinweise auf der Homepage gut durch. Im Prinzip ist es aber einfach: Haare mit dem mitgelieferten Shampoo sorgfältig waschen um Rückstände jeglicher Art aus dem Haar zu waschen. Haare gut trocknen! Dann den Remover anmischen, gleich auftragen, den Kopf mit Frischhaltefolie umwickeln, ggf. zum Warmhalten noch ein Handtuch darum wickeln und 60 Minuten warten. Wärme hilft bei dem chemischen Prozess, also solltest du lieber nicht mit dem Zeug auf dem Kopf im Kalten herumspringen. Nach der Einwirkzeit musst du guuuuut ausspülen, lieber zu lange als zu kurz! Stell dich am besten unter die Dusche und stelle dir eine Eieruhr. Ich habe meine Haare über der Badewanne ausgespült und das ging ganz schön auf den Rücken! Im Anschluss noch den „Stopper“ auf die Haare, einwirken lassen und wieder guuuuuut ausspülen. Jetzt noch die mitgelieferte Pflegespülung ins Haar, einwirken, ausspülen, Haare  föhnen und das Ergebnis bestaunen!

Vorher
Mein wichtigster Tipp: Erwarte nicht zu viel! Du wirst deine richtige Naturhaarfarbe nicht wieder sehen, eher eine aufgehellte Version davon, denn in den meisten künstlichen Haarfarben steckt meistens auch ein Aufheller. Also wenn du deine Naturhaarfarbe wiederhaben möchtest, solltest du lieber doch den Friseur aufsuchen. Aber die Farbmoleküle sind nun, zum größten Teil, aus den Haaren entfernt.

Nachher
Behandlung wiederholen? In der Anleitung steht, dass man ggf. die Anleitung  ein zweites Mal wiederholen kann. Ich habe sie zwei Mal durchgeführt und eine Veränderung habe ich nach dem zweiten Mal nicht festgestellt. Also spar dir das lieber – deine Haare werden es dir danken!


Ergebnis? So –ich nehme an du hast jetzt unter Umstände eine nicht so tolle Farbe auf dem Schopf, kein Problem, denn du kannst nach der Behandlung mit dem Haarfarbenentfernern direkt weiter machen. Ich wollte ja wieder ein schönes, kühles Blond – möglichst ohne Gelbtisch. Aktuell waren mein Haare eher rotblond und ich wollte ja richtig blond werden.



Und nun zum kühlen blond ohne Gelbstich! (Wenn du nicht blond werden möchtest, ist das folgende wohl eher nicht interessant für dich!)


Als ersten Schritt habe ich dann – am selben Tag - den Syoss Platinum Blond Aufheller 13-5 für 9 Nuancen-Aufhellung  aus dem Supermarkt verwendet, da meine Naturhaarfarbe mehr einem Hellbraun/Dunkelblond entspricht und von Natur aus sehr goldig ist.  

Das Ergebnis nach dem Aufheller war erst einmal ok, natürlich hatten meine Haare noch einen Gelbstich, aber das hatte ich nicht anders erwartet.  Auch sonderlich angegriffen fühlten sie sich, trotz Entfärber und Aufheller, nicht an. Damit konnte ich vor die Tür! Meine Kopfhaut war jedoch weniger begeistert von der ganzen Chemie und fühlte sich wirklich sehr gereizt an. Also erst einmal ein paar Tage Pause für die Kopfhaut! Sei nicht ungeduldig, plane Zeit ein und quäl dich nicht - also lass dir auch Zeit.
Ergebnis nach dem Aufheller

Tipps gegen den Gelbstich: Für die nächsten Tage stand Haarpflege auf dem Programm. Haarmasken und Spülung von Balea (dm-Drogeriemarkt) hatte ich ja schon besorgt, wobei ich diese immer mit FAN – silberweiß Effektspülmittel gemischt habe – gegen den Gelbstich. Im Prinzip ist das nur lila Farbe – diese Farbe ist auch in den Silbershampoos, die mir aber oft zu schwach wirken. Den Tipp mit dem FAN- silberweiß Effektspülmittel habe ich selber aus dem Internet, man kann das Zeug wie auf dem Fläschchen beschrieben verwenden oder aber selber in sein Shampoo oder die Spülung mischen, denn mir pflegen die Silbershampoos oft nicht genug. Leider gibt es dieses Produkt nur bei dm „im Osten“, komischerweise. Ich lasse mir das immer von meiner Freundin aus Leipzig mitbringen, jedoch bekommt man es auch bei Amazon für einen unverschämt teuren Preis. Wenn du also jemanden in den neuen Bundesländern kennst, lass dir das lieber mitbringen.

Schlussendlich Blond:  Nach einer Woche hatte ich Zeit und meine Kopfhaut hatte mir verziehen, also folgte nun der letzte Schritt – denn das Projekt „Blond“ war für mich noch nicht abgeschlossen. Ich mag das Blond am liebsten ja schön „aschig“, also ins gräuliche. Lieber mehr grau als gelb, mit meinen kurzen Haaren sah das immer super aus.

Also kam jetzt die Poly Color Creme Silbergrau zum Einsatz, damit auch der letzte Gelbstich aus den Haaren verschwindet. Mit Poly Color Creme Silbergrau habe ich bereits gute Erfahrungen gemacht, da ich nach einem Friseurbesuch einmal mit einem fiesen Gelbstich zu kämpfen hatte und mir diese Discounterfarbe meine Wunschhaarfarbe verliehen hat.  Der Inhalt einer Packung reicht für meine Kurzhaarfrisur, allerdings würde ich bei schulterlangen Haaren lieber zu zwei Packungen raten und bei langen Haaren vielleicht sogar zu drei, denn viel ist da wirklich nicht drin.
Endergebnis: Blond!


Schlussendlich bin ich also wieder blond geworden. Gekostet hat mich das ganze ca. 20 Euro und eine Woche Geduld. Es geht also auch selber und das Ergebnis hätte beim Friseur nicht besser sein können – im Gegenteil, ich hatte immer einen Gelbstich nach der Braun-auf-Blond-Prozedur.
Aber: Meine Haare brauchen jetzt ganz viel Pflege und ich freue mich auch schon auf das nächste Haareschneiden, ggf. lasse ich mir dann die Haare auch wieder beim Friseur färben.

Wäre es schief gegangen, wäre es für mich aber auch kein Drama gewesen: Hey, es sind doch nur Haare – die wachsen wieder. Und ich mit meinen kurzen Haaren werde ich die trockenen Spitzen auch schnell wieder los.

Na denn, fröhliches Färben oder auch nicht ;-)

22. April 2016

Mein Plussize-Brautkleid - figurbetont in Größe 44/46 - und Tipps für die Plussize-Brautkleid-Suche!

Dieses Outfit sollte eigentlich mein erster Outfit-Post werden, aber da ich diesen Beitrag besonders gut machen wollte, ist es nun der zweite geworden!

Monate bevor ich hiermit gestartet habe, wuchs die Idee zu einem Plussize-Blog in mir - war ich doch schon immer stille Mitleserin bei vielen tollen Plussize-Mädels. Mindestens genauso lange habe ich mir Gedanken zum allerersten Outfit gemacht, das ich vorstellen wollte - ok, jetzt ist es das zweite. Welches Kleid ist das wohl wichtigste Kleid im Leben einer Frau? Richtig – das Brautkleid!





Ich habe letztes Jahr meinen Traummann heiraten dürfen und hatte MEIN Kleid nach langer, frustrierender Suche spontan gefunden. Hierfür möchte ich etwas ausholen. Ich war zuerst in einem regional bekannten Brautmodengeschäft, denn ursprünglich wollte ich gerne ein kurzes, weißes Kleid im 50er-Jahre Stil. Also Trauzeugin eingepackt und los. Im Brautmodengeschäft angekommen, kam erst einmal die Ernüchterung „Wie? Sie haben keinen Termin und heiraten auch schon im Juni? Oh, dann müssen Sie jetzt aber bald ein Kleid finden, sonst wird das nix mehr!“ – es war Januar. Die freundliche aber entsetzte Verkäuferin erklärte mir, dass man spätestens 6 Monate vor der Hochzeit sein Kleid gefunden haben sollte, denn mit Bestellung und Änderung dauert das eben! What the fuck?! Was für ein Druck!

Kurze Kleider gab es in diesem Geschäft auch, nur leider ausschließlich in Größe 36/38 und größer bestellen ging nur, wenn ich das auch direkt kaufe. Aber wie soll ich da denn sehen, ob mir das überhaupt steht – und bin ich überhaupt der klassische Brauttyp, in weiß und mit Schleier und überhaupt? Die nette Verkäuferin lotste mich durchs Geschäft und zeigte mir die Plus Size Abteilung. „Wie? Mehr nicht? Ist da auch was Kurzes dabei?“. Natürlich war nicht ein kurzes Plussize-Kleid dabei, nur bestickte und beperlte Brautzelte aus Taft und Tüll. Kaum Spitze! Ja ok, es waren schon schöne Kleider in super Qualität, aber immer nur in zeltiger Form. „Sie müssen den Fokus auf ihre schöne Taille und ihr tolles Dekollete‘ setzen, das macht eine tolle Figur“ – immerhin erkannte die nette Dame sofort meine Lieblingszonen! Ich hatte auch noch ordentlich Bauch, schließlich war die Geburt meines Sohnes erst sechs Monate her. Ich probierte einige Kleider an, aber so richtig gefunkt hat es nicht! Dankend verabschiedete ich mich!

An diesem Abend durchforstete ich das Internet und Ebay, auf der Suche nach Kleidern in 44/46. Es war zum Verzweifeln! Gibt es denn echt keinen Hersteller, der seine Brautkleider mal von Plus Size Frauen vorführen lässt? Mich interessiert doch nicht wie ein Model darin aussieht, sondern eine Frau wie ich! Fast hätte ich mir etwas im Internet maßschneidern lassen (Tipp: Oh Gott, lasst so einen Scheiss. Ernsthaft! Damit kann man ganz fies auf die Nase fallen!! Oft haben diese Internetshops nicht mal ein Impressum!! Tschüss Kohle!)  Das Problem war, dass ich nicht wusste was ich wollte! Ich wusste nur, was ich nicht wollte: Kein besticktes Brautzelt in ivory, das meine Figur weg kaschiert und mir hinten ein „Rückendekollete`“ zaubert! Und klassischer Standard – das bin sowieso nicht ICH!

Ich bestellte mir noch einige aus einem Online-Shop und schaute in verschiedenen Brautmodengeschäften und in Outlet-Stores. Meine Freundinnen waren keine Hilfe – da mache ich ihnen aber auch keinen Vorwurf. Ich war kein leichter Fall!  Letztendlich war ich verzweifelt und an dem Punkt „Scheiss egal – Hauptsache du musst nicht nackt heiraten“. Ich fand ein Ist-ganz-hübsch-Kleid in einem schönen, winzig-kleinen Outletgeschäft mit einer sehr, sehr netten Verkäuferin, die bereit war mir viele Extras ans Kleid zu klatschen, damit es irgendwie zu MEINEM Kleid wurde. 

Es kam der Tag der Anprobe – 4 Wochen vor der Hochzeit – ich hatte bis dahin weiterhin das Internet durchforstet in der Hoffnung, dass doch noch ein Wunder geschieht und mir eine gute Fee MEIN Kleid vor die Füße legt! Irgendwie war ich nicht richtig glücklich und bzgl. des Kleides innerlich rastlos und unsicher. Zudem hatte ich mir das alles einfacher vorgestellt, aber nun war es eben so!

Im Laden angekommen brachte ich die Anprobe hinter mich und sah aus dem Augenwinkel etwas im Schaufenster – was ist denn das für ein cooles Kleid? 
„Ähm, das Kleid da vorne – das ist ja schön“ 
„ Ja, das hatten wir hier, weil das jemand für eine Fernsehshow anprobieren sollte, aber das geht nächste Woche ins Hauptgeschäft zurück“.  
Wir waren fertig mit abstecken, ich zog mich wieder um und auf dem Weg hinaus blieb ich vor besagtem Kleid stehen – auf dem Etikett stand Größe 44!  Und es war soooo schön!
„Halten Sie mich für bescheuert, wenn ich das jetzt anprobieren möchte?“ Die Verkäuferin sah mich verdutzt an. „Öhm, öhm, öhm - nö, kein Problem.“

Ich zog das Kleid also an und es passte – nun ja fast – „ach, da könnte man aber den Reißverschluss durch eine Schnürung ersetzen, das ist wirklich kein Problem“.  So tauschte ich das erste Ist-ganz-hübsch-Kleid in MEIN Kleid! Außer meiner Trauzeugin wusste keiner davon! So habe ich durch Zufall MEIN Kleid gefunden.


Eigentlich bin ich schon sehr selbstbewusst, aber bis zur Hochzeit machte ich mir trotzdem Gedanken, was denn wohl meine Familie und Freunde zu diesem figurbetonten Kleid sagen würden. Ich war echt aufgeregt, obwohl ich wusste, dass ich eine gute Wahl getroffen hatte. Als Plussize-Frau scheinen ja immer alle zu wollen, dass du dich versteckst und "kaschierst" -  wie ich dieses Wort mittlerweile hasse.

Auch wenn in Ratgebern und Zeitungen steht, dass man für einen Meerjungfrauen- oder Trumpet-Schnitt sehr schlank sein muss, sollte man darauf nichts geben, sondern einfach mal so etwas anprobieren. Es kommt dabei ganz stark auf die Figur und die Verteilung der Kilos an. Ich hatte ein Kleid in diesem Stil und ja, man sah meinen Bauch und meine Rundungen, aber es passte zu mir! Es war außergewöhnlich und entsprach meinem Stil! Vielleicht haben das einige als unvorteilhaft bezeichnet – mir gegenüber hat zwar keiner etwas Negatives gesagt – aber wer nicht gesehen hat, dass dieses Kleid meiner Person entsprach, der kennt mich einfach nicht! 

Ich liebe mein Kleid, immer noch!Und mein Mann fand mich wunderschön!


Mein Kleid habe ich übrigens von Cynderellas Welt und den Fascinator (jap, so nennt sich das Teil in den Haaren) von Schoenmich Accessoires



Meine Erfahrungen möchte ich aber gerne teilen und habe daher zusammengefasst, was ich aus meiner Brautkleid-Odyssee gelernt habe.

Mein Tipps für Plussize-Frauen auf Brautkleidsuche: 


1. Um die sicherlich nette Verkäuferin gleich auf den richtigen Weg zu bringen, sag ihr am besten wie du zu deiner Figur stehst: Du willst dich zeigen und bist mit deinem Körper zufrieden? Dann sag ihr das! Oder willst du lieber hier und da etwas verstecken (was ja jeder Frau selbst überlassen ist)? Dann gleich raus damit. So bringst du die Verkäuferin nicht in die Lage, dir vielleicht mit einem bestickten Sack, dass sich Brautkleid nennt, um die Ecke zu kommen, worauf du womöglich empört reagierst. Klar gibt es Verkäuferinnen, die denken jede Frau ab Größe 40 will alles weg kaschieren, aber diese Exemplare erkennt man recht schnell und kann sich ja noch woanders umschauen.

2. Wenn du einen Termin in einem Brautmodengeschäft machen möchtest, erkundige dich vorher wie dort die Auswahl im Plussize-Segment ist. Die Aussage "Wir können in allen Größen bestellen" hilft dir nicht weiter, denn du willst ja Kleider in DEINER Größe anprobieren! Für 500m² mit Größe 36/38-Kleidern kannst du auch zuhause bleiben.Wie willst du denn da erkennen, ob dir ein Kleid steht, wenn es nicht einmal annähernd deine Größe hat.

3. Lass dich von jemandem begleiten, der ein positives Körperbild von dir hat. Eine Tante oder Mutter, die dir permanent sagt wie unvorteilhaft etwas geschnitten ist, dich und deine Figur schon immer kritisiert habt und nicht erkennt, worin du strahlst und dich wohlfühlst, die kannst du getrost zuhause lassen! Du bist nicht gut beraten mit jemandem, der dir rät alles weg zu kaschieren, sondern nur mit einer Person, die deine Vorzüge kennt und dir hilft, dafür dein richtiges Kleid auszuwählen. Bei mir war diese Person meine beste Freundin, sie hat mich in meiner Wahl bestärkt und mir ein Stück weit meine Bedenken genommen.  Am Ende entscheidest sowieso nur du alleine!

4. Schau dich vorher nicht stundenlang im Internet um und wälze keine 30 Magazine. Es besteht die Gefahr, dass du dich auf etwas einschießt und traurig bist, wenn du das nicht findest. Anprobieren ist das A und O, denn oft wählt frau am Ende ein ganz anderes Kleid als ursprünglich gedacht.   Es sei denn, du hast die finanziellen Mittel, dir dein Kleid von einem guten Schneider auf den Leib schneidern zu lassen. Falls Bedarf besteht, ich hätte da ein oder zwei Adressen ;-)

5. Mach keine faulen Kompromisse! Wähle kein Kleid, nur weil du gefrustet bist oder unter Druck stehst ganz schnell etwas finden zu müssen, auch wenn du spät dran bist. Schau dich weiter um. Mach Termine bei verschiedenen Brautmodengeschäften, zur Not nimm auch etwas Fahrstrecke in auf! Glaub mir, es lohnt sich! Wenn du dein Kleid gefunden hast, wirst du es sicher merken!

6. Lass dich nicht bequatschen! Deine Oma ist so nett und zahlt dein Kleid, würde dich aber gerne in einem Traum aus Spitze sehen, obwohl du eher auf Tüll stehst. Du hast eine tolle Oma, aber das ist DEIN Tag! Wenn sie dich glücklich machen möchte, soll sie DICH die Entscheidung treffen lassen. Versuch ihr freundlich klar zu machen, zur Not mit Hilfe von Mama, Papa oder Opa, dass du etwas anderes möchtest und das DEIN Tag ist.

In diesem Sinn, lass dich bei der Brautkleid-Suche nicht verrückt machen, irgendwo da draußen ist dein Kleid und wartet auf dich! Manchmal springt es einen sogar aus dem Schaufenster an ;-) 

Schönes Wochenende,

deine Jessi


PS: Die Fotos sind übrigens von meiner Lieblings-Fotografin Elke. Zu finden auf Facebook, siehe hier >> Fotostudio EK-Pictures

19. April 2016

Muddi hat Ausgang und die "gute Hose" ist in der Wäsche oder: Meine beerenfarbene Strumpfhose


Hallihallo Du,

Hach, bin ich kribbelig! Denn „jo“ - ich kann mich nicht nur über Fat Shaming aufregen, sondern habe auch Klamotten im Schrank und liebe es zu shoppen – vorzugsweise online!  Deshalb möchte ich auch zeigen, was ich manchmal Outfit-technisch so „anrichte“. Sicher liege ich modisch oft genug daneben, aber vielleicht hilft es der einen oder anderen Plussize-Lady Mut zu machen, sich auch mal etwas zu trauen und mit Farben und scheinbar wilden Kombinationen zu experimentieren.  Mit genug Selbstbewusstsein fällt ein nicht ganz perfektes Outfit oft überhaupt nicht als solches auf.

Eigentlich wollte ich in meinem ersten Outfit-Post etwas ganz anderes Besonderes zeigen, aber vielleicht ist ein Partyoutfit doch ganz gut als Einstieg.

Letzten Samstag feierte meine kleine Schwester mit ihrem Verlobten Geburtstag und dazu war eine tolle Grillparty in einer Hütte im Wald angesetzt. Sehr spannend, denn ich und mein Mann kannten bis auf eine Handvoll Leute dort niemanden.  Aufregend – war es doch schon eine Art Auftaktveranstaltung für die Hochzeit im Juni.
Da ich in den vorherigen Tagen zu beschäftigt war um mir ein Outfit zu überlegen und die „gute Hose“ natürlich in der Wäsche war, habe ich einfach mal im Schrank gewühlt und gemixt. Mein Mann musste die Bilder noch schnell vor der Party knipsen ;-) , daher bitte ich als Greenhorn-Bloggerin um Milde - beim nächsten Mal werde ich definitiv besser auf die Lichtverhältnisse achten .
Aber nun zu meinem Outfit, dass ich auch auf Instagram gepostet habe.





Ich habe mein neues Oberteil von Asos -Curve mit den Schwalben (eines meiner momentanen Lieblingsteile) über ein enges, schwarzes Basic-Jersey-Kleid von BonPrix angezogen und dazu meine beerenfarbene (oder doch pink/rosa?) Strumpfhose von Takko kombiniert. Die Strumpfhose hatte ich lange nicht mehr an und schon fast in meiner Strumpfhosenbox vergessen – sie lag ganz unten – aber irgendwie erschien mir das Outfit sonst zu farblos. Da mich auf der Feier kaum jemand kannte, dachte ich mir „scheiss drauf, mach mal!“.  Das ein oder andere Kompliment habe ich trotzdem für meine farbenfrohe Strumpfhose bekommen.





Die schlichten, schwarzen Ballerinas mit "spitzer Spitze" sind ebenfalls von Asos. Kleider trage ich gerne mit „irgendwas oben rum“ kombiniert und flache Schuhe sind auf Partys immer Gold wert.




Ich habe so auf jeden Fall bis morgens ums sechs Uhr durchgehalten, während mein Mann unseren Krümel um 21 Uhr ins Bettchen gebracht hat. Muddi hat ja auch mal Ausgang – also, alles richtig gemacht – auch wenn sich der Schlafmangel am nächsten Tag gerächt hat.


Viele Grüße,

Jessi


18. April 2016

„Fitness statt Fatness“ und warum man den Slogan von Karstadt Sport auch anders verstehen kann!


Am  Wochenende postete Tanja Morfa von Kurvenrausch-Hamburg auf Instagram und Facebook ein Plakat der neuen Aktion von Karstadt Sport und löste damit, zumindest auf Facebook, eine Minidiskussion aus. Während einige der Meinung waren, dass dies gegen Dicke gerichtet sei, Vorurteile schüre und eher Kunden vergraule, waren andere der Meinung, man dürfe sich nicht so anstellen, solle das nicht persönlich nehmen und verstehe das falsch.

Erst einmal zu den Fakten: Karstadt Sport gewährt 20% Rabatt auf ein Sportprodukt bei Vorlage von Fastfood-Coupons. Geile Aktion! Ehrlich! Klar ist das ein Werbegag, aber dahinter steckt ja die Absicht, die Kunden dazu zu bewegen über die eigene Ernährung nachzudenken und zu animieren Sport zu treiben – und natürlich bei Karstadt Sport zu kaufen.

Ist doch super! Ernährung und Bewegung ist das A und O um gesund zu leben! Und spätestens nach dem Film „Supersize Me“, weiß man was Fast Food dem Körper antun kann, wenn man sich ausschließlich von Mc Donalds und Co ernährt. Macht natürlich in dem Ausmaß keiner, aber erschreckend waren die Resultate des Selbstversuchs aus dem Film doch. Das Plakat mit dem Karstadt Sport wirbt trägt den Slogan „Fitness statt Fatness“  und zeigt einen Burger belegt mit Sportartikeln!

Ich habe das Plakat gesehen und war direkt angepisst. Ernsthaft? Was ist denn das für eine Scheisse? Geht’s noch? Ich habe mir auf Instagram direkt Luft gemacht.  Plöhöööd und etwas voreilig – ich weiß! Denn danach habe ich die Diskussion auf Facebook  verfolgt und erst dann einmal recherchiert, was überhaupt hinter diesem Plakat steckt. Nachdem ich mich abgeregt und eine Nacht darüber geschlafen habe, bin ich zwar der Ansicht, dass die Rabattaktion super ist, ich aber das Plakat dennoch scheisse finde.  Darf ich auch.

Jemandem, der der Meinung ist, dass ich das Plakat falsch verstanden habe oder mich anstelle, würde ich aber gerne einen anderen Blickwinkel eröffnen. Und vorweg - ja, ich habe den Tiefschlag gegen McDonalds und Co. verstanden, aber nicht nur. Folgendes kommt mir auch in den Sinn - und bestimmt auch anderen Plussize-Menschen-  wenn ich den Slogan „Fitness statt Fatness“  lese:

Fitness ist gut und Fatness ist schlecht. Fitness ist also der wünschenswerte Zustand und Fatness ein Zustand der geändert werden sollte und inakzeptabel ist. Also ist jemand der fett ist, nicht ok wie er ist. Fitness und Fatness schließen sich demnach aus, denn dicke Menschen sind nicht fit und daher auch unsportlich – woher soll die Fitness denn auch kommen. Ein Schlag in die Fresse für jeden dicken Menschen der Fahrrad fährt, schwimmen geht oder sich sonst in irgendeiner Weise sportlich betätigt. Niemandem steht auf der Stirn geschrieben wieviel Sport er die Woche über macht, man geht immer nur davon aus, dass alle Dünnen sportlich und alle Dicken unsportlich sind. Ist aber nicht so! Die meisten meiner Freundinnen sind schlank – aber wenn ich am Wochenende Joggen oder Inline-Skaten möchten, kann ich nur eine oder zwei fragen, ob sie mitmachen wollen. Der Rest prustet los und fragt mich, ob ich wahnsinnig bin.

„Kommt du mit joggen?“

„Sorry, mein Einhorn ist krank!“

„Willst du mich verarschen?“

„Wer hat denn damit angefangen?!“

 

Was mir das Plakat noch sagt: Wenn du fett bist, kommt das daher, dass du nur Fastfood in dich reinfrisst. Das Dicksein hat so viele Gründe und Ursachen, daher ist es ziemlich dumm und viel zu einfach, das allein mit Fastfood-fressen erklären zu wollen. Einzige Tatsache die zum Dicksein führt ist (Achtung: Weisheit!): Man nimmt mehr Kalorien zu sich, als man verbraucht! Ganz simpel. Wie diese Kalorien sich zusammensetzen, kann niemand an der Nasenspitze eines Menschen erkennen.  Die Begleitumstände kann man nur erahnen und keiner sollte sich zu Pauschalaussagen hinreißen lassen.

Na klar wird bei diesem Slogan mit Klischees gespielt, aber ich fühlte mich als Dicke als unsportliche Fastfood-Fresserin abgestempelt, die ungesund lebt. Und das entspricht mir persönlich überhaupt nicht!

Wie gesagt, mein Verständnis muss nicht dem Verständnis der Mehrheit entsprechen, wird es sicher auch nicht. Ist auch ok, aber man KANN den Slogan auch anders verstehen und man KANN sich angegriffen fühlen. Man KANN aber auch einfach den Slogan „Fitness statt Fastfood“ verwenden.  Man KANN aber auch bei einem Laden kaufen, der dir nicht werbetechnisch in die Fresse haut, wenn du als dicker Mensch neue Sportschuhe brauchst.

In jedem Fall muss jeder für sich entscheiden, wie er die Werbung versteht. Verschiedene Meinungen sind wunderbar, und ich bin dankbar, wenn mich mal jemand argumentativ an die Hand nimmt und mir einen anderen Blickwinkel aufzeigt. Dies und nichts anderes habe ich hiermit versucht.



In diesem Sinne, einen schönen Start in die Woche!

Jessi

11. April 2016

Sätze,die man als Dicke nicht mehr hören will...


Du bist auf einer Party oder Familienfeier und es ist gerade so richtig nett. Man diskutiert, lacht, scherzt, trinkt und isst gemeinsam. Die aktuellen Medienhighlights werden durchgekaut – bei denen ich meistens nicht mitreden kann, denn Jungel-Camp, GNTM und DSDS sehe ich mir nicht an. Man diskutiert  sinnlos durch die Themen und ich merke schon in welche Richtung das jetzt alles geht – es ist ja irgendwie immer ähnlich.
„Ach die Katzenberger, ja toll, die heiratet ja bald. Die mag ich ja!“ „Die hat ja auch nach der Schwangerschaft wieder so toll abgenommen“  „Was macht die doch gleich, so ein Low-Carb-Zeug?“  „Apropos Abnehmen, habt ihr schon mal bei „The Biggest Loser“ reingeschaut?“  
Und BÄM, sind wir im Thema! Zum Thema Abnehmen und Dicksein kann ja immer JEDER etwas beitragen und seine Meinung breit treten, egal ob es wirklich informativer, wohldurchdachter Input oder einfach nur vorurteilsbehafteter Scheiss ohne Fundament ist. Am Ende sind sich ja sowieso immer alle einig, dass langsam und gesund abnehmen mit Sport das Beste ist und ein paar Kilo mehr ja auch nicht schaden können, aber so richtig Dicksein? Nein wie furchtbar und Igittigitt und Pfui – da kannste dir auch gleich die Kugel geben! Meistens habe ich mich an diesem Punkt schon lange verkrümelt, aber manchmal geht das nicht so einfach. Und dann ZACK, die Augen werden auf mich gerichtet (oder jemanden der dicker ist als ich) – wir reden ja hier im Vertrauen – und dann kommt garantiert einer der folgenden Sätze:

 

Du warst aber auch schon mal schlanker?!

Ich denke mir: Echt? Gut, dass du es sagst. Wäre mir sonst nicht aufgefallen!

Ernsthaft? Was verspricht man sich von diesem Kommentar? Soll ich jetzt, hier und auf der Stelle 30 kg abnehmen? Zuerst einmal - ja ich habe Spiegel zuhause und ja ich merke auch, dass meine Klamotten eine andere Größe haben als noch vor 5 Jahren!  Aber mein Gegenüber hat mich mit diesem Satz in der Gesprächsrunde mit dem Rücken zur Wand gestellt und ich soll plötzlich rechtfertigen, warum ich zugenommen habe.  

Wehe aber, man antwortet patzig, dann bist du gleich die wütende Dicke! „Ich bin ja nur ehrlich!“ ,  „Ich sags ja nur!“ oder „Ich wollte dich damit nicht angreifen!“ sind Sätze, die dann gerne einmal nachgeschoben werden. Wenn dem wirklich so ist, dann sollte man doch lieber direkt die Klappe halten.

 

Du könntest aber schon ein paar Kilo weniger haben!

Ich denke mir: Und du hast jetzt genau welche Untersuchungen an mir vorgenommen um das beurteilen zu können?

Die Medien geben ja ein bestimmtes Idealbild vor, an dem sich die Allgemeinheit gerne orientiert. Scheiss drauf, ob das wirklich gerechtfertigt oder gesund oder erstrebenswert ist Size Zero zu tragen. Als Frau hast du gefälligst schlank zu sein oder sollst es zumindest versuchen. Du bist nur ein guter Dicker, wenn du immer beteuerst, dass du abnehmen willst. Wenn du sagst, dass du meistens ganz gut mit deinem Körper klar kommst, lügst du dir ja schließlich in die Tasche. Na klar habe auch ich Tage, an denen ich mir Wünsche wieder in meine Größe 40 zu passen, aber warum soll ich mich denn selbst andauernd fertig machen und in Zelte hüllen. Dieser Körper, jetzt und hier, ist meiner und mit dem will ich mein Leben leben – ich will nicht mit einer evtl. irgendwann eintretenden utopischen Größe 36 beginnen zu leben.  Übergewicht kann ab einem gewissen Punkt zum gesundheitlichen Risiko werden und einschränken, davon bin ich überzeugt und in der Hinsicht mache ich mir auch nichts vor, aber wann dieser Punkt kommt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Und niemand hat das Recht mir zu sagen - und schon gar nicht durch bloßes angucken-  dass ich abnehmen soll. Denn nichts anderes ist obiger Satz, eine versteckte Aufforderung abzunehmen.

 

Nimm doch ab!

Ich denke mir: Sei du doch einfach weniger scheisse! Oder: Guck doch einfach weg, wenns dir nicht gefällt!

Auf eine patzige Antwort oder in einer hitzigen Diskussion ist mir obiger Satz schon mehrfach begegnet! Dein Gegenüber findet dich zu dick und du sollst abnehmen - ist klar!? Obiger Satz soll in einer Diskussion schlicht und einfach entwaffnen und schlussendlich verletzen. Sag einem Alkoholiker mal, „Dann hör doch auf“.  Lächerlich, abwertend und einfach nur unüberlegt! Jemand hat die Gesamtsituation nicht im Geringsten erfasst und gibt dir den scheinbar besten Rat überhaupt. Wäre es so einfach, gäbe es keinen einzigen Raucher mehr auf der Welt.

 

Denn tu was dagegen!

Ich denke mir: Ja, könnte ich, aber bestimmt nicht, wenn du mich dazu aufforderst!

Ich habe in letzter Zeit viele Blogs von wirklich wundervollen, selbstbewussten Plussize-Frauen gelesen, was mir sehr geholfen hat, mich selbst so zu akzeptieren wie ich bin. Mit diesem Prozess bin ich auf keinen Fall fertig, aber Selbstliebe ist für mich jetzt kein Fremdwort mehr. Auch bei diesen Blogger-Powerfrauen, war die Selbstliebe ein Prozess, denn mit dem Körper ins Reine kommen -  das geht nicht von heute auf morgen. Diese Frauen haben alle eine Diätgeschichte und fiese Dickenhass-Storys hinter sich, um an einen Punkt zu gelangen, an dem sie die Nase voll hatten sich vor der Gesellschaft zu rechtfertigen. Es ist eine ganz private Angelegenheit, ob jemand etwas an seinem Körper ändern möchte oder nicht, aber den aktuellen Körper mit Hass zu überschütten führt nur zu einem unglücklichen Leben.  Daher finde ich obigen Satz auch so furchtbar! Wenn man mit sich selbst nicht zufrieden ist, soll man etwas ändern, aber wehe du bist mit deinem dicken Körper zufrieden, dann belügst du dich selbst.  Das suggeriert ein wenig, dass ein dicker Mensch kein Recht hat, glücklich zu leben und sich selbst zu akzeptieren, eben weil er dick ist. Soll sich ein dicker mit Selbsthass geißeln, nur weil er dick ist? Macht anhaltender Selbsthass auf Dauer nicht viel kränker als Übergewicht?

 

 

Hast du zugenommen?

Ich denke mir: Das geht dich einen Scheiss an! Oder: Bist du dümmer geworden?

Ernsthaft? Damit will man doch offensichtlich jemandem einen Stich versetzen, diese Frage am besten noch in einer großen Gesprächsrunde gestellt, damit alle dich von oben bis unten mustern. Diese „Feststellungsfrage“ dient nur dazu, jemanden der Meute zum Fraß vorzuwerfen!  Wieso ist es eigentlich von gesellschaftlichem Interesse, ob ich mehr oder weniger wiege als noch vor zwei Wochen? Bei einer Person, die mir auf einer Party diese Frage stellt, würde ich nochmal  überlegen, welches Verhältnis man zueinander hat, freundschaftlich kann das definitiv nicht sein.

 

Du hast so ein hübsches Gesicht/so eine tolle Ausstrahlung – mit etwas weniger auf den Rippen könntest du so toll aussehen!

Ich denke mir: Hä?

Ja bin ich nun hübsch oder nicht? Ich habe diesen Satz schon einige Male zu hören bekommen, im Grunde ist es ja nicht böse gemeint – ist es ja nie. Ein Beleidigungskompliment eben! Ich nehme für mich immer nur den Teil mit dem hübschen Gesicht und der Ausstrahlung an, der Rest geht mir an meinem Größe46-Arsch vorbei! Schönheit braucht eben Platz und ich beuge mich bestimmt nicht dem Schönheitsideal einer Heidi Klum um von der Mehrheit als schön betrachtet zu werden.  Wer an mir, so wie ich jetzt bin, etwas auszusetzen hat, der findet auch etwas, wenn ich 30 kg weniger wiege!

 

Na – dir schmeckts aber!

Ich denke mir: Ja klar! Dir nicht?

Ich bin ein absoluter Genießer, ich liebe gutes Essen! Mit Tütenkram kann man mich echt jagen, denn ich oder besser gesagt mein Mann, kochen immer selber. Bei uns in der Küche gibt es keine Fix-und-Fertig-Tüten. Genauso im Restaurant - ich bestelle mir in einem Restaurant doch keinen großen Salatteller, wenn ich ein Rumpsteak oder frischen Fisch bekommen kann. Hey, ich stehe total auf Salat, aber Salat kann ich mir auch zuhause machen. Fastfood gibt’s bei uns sehr selten, denn wir legen sehr viel Wert auf frische Produkte und Lebensmittel, die eben nicht stark industriell verarbeitet wurden. Diese ganzen Zusatzstoffe und Konservierungsmittel  - da hat doch keiner mehr einen Überblick, mit was wir uns unbewusst den Körper vollpumpen. Für manche bin ich eine Rabenmutter, weil mein Sohn diese bunten, eklig-süßen Puddings, Cornflakes und Süßigkeiten für Kinder – was daran für Kinder sein soll, weiss ich auch nicht – einfach nicht bekommt. Und wenn, dann als absolute Ausnahme von der Oma. Wenn die Inhaltsstoffliste länger ist, als mein Einkaufszettel, suche ich eine naturbelassene Alternative. Um auf den Satz oben zurückzukommen, ja mir schmeckts! Essen ist wichtig und ich werde mich als Dicke nicht verstellen, indem ich in Gesellschaft esse wie ein Spatz oder einen Alibi-Salat bestelle, damit alle von mir denken „Gute Dicke, die nimmt Salat“. Guckt doch auf euren Teller! Oder ist es manchmal nur Neid, weil ich mir den Nachtisch gönne und jemand anderes sein Leben lang  verzichtet?

 

Meinst du nicht, dass du lieber einen Salat essen solltest.

Ich denke mir: Verdammte Scheisse, nein!

Meine Antwort -  Nein! Punkt! Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen!

 

Denk doch mal an deine Knochen und Gelenke!

Ich denke mir: Ich schaffe einen Acht-Kilometer-Lauf und du?

Sport ist mir wichtig, er hilft mir, mich gut zu fühlen und fit zu bleiben, außerdem setzt Sport viele Glückshormone frei. Ich liebe Sport, phasenweise mache ich viel Sport, dann gibt es Phasen, in denen ich kaum aktiv bin.  Grundsätzlich habe ich aber aufgrund meines Gewichts keine Probleme mit meinen Knochen oder Gelenken, auch nicht beim Joggen. Und ich bin überzeugt, dass geht vielen Dicken so. Na klar belastet ein hohes Gewicht die Gelenke und Knochen mehr, als das Idealgewicht. Wie und ob sich das irgendwann bemerkbar macht, ist aber individuell verschieden. Ich höre obigen Satz oft, wenn ich aktive Joggingphasen habe und Leute von meiner Lauferei hören. Na klar könnte ich auch in ein überfülltes Schwimmbad gehen, mir eine Bahn erkämpfen und dann mit Ellenbogeneinsatz ein oder zwei Kilometer in einer stickigen Halle schwimmen. Nein danke! Ich hasse es trotzdem, dass manche Hobby-Orthopäden unerwünschte Ratschläge geben. Ich kann die Signale meines Körpers sehr gut deuten, deshalb war für mich vor einigen Jahren auch Schluss mit Fußball-Spielen, denn ich merkte einfach, dass ich mich immer häufiger verletzte. Und nein, die häufigen Verletzungen lagen nicht am Übergewicht, denn zum damaligen Zeitpunkt war ich nicht übergewichtig. Fakt ist, man sollte jedem Menschen zugestehen, selbst einschätzen zu können, wie es um seine Gesundheit bestellt ist.  Dicke Menschen müssen nicht prophylaktisch zum Orthopäden! Und ja, ich schaffe wirklich einen Acht-Kilometer-Lauf!

 

Du kannst mir nicht erzählen, dass du dich SO wohl fühlst!

Ich denke mir: Ich muss dir auch gar nichts beweisen!

Selbstakzeptanz und Selbstliebe sind die Zauberwörter um glücklicher zu sein. Selbstgeißelung und ewiges Diäten, Scheitern, Unglücklich-sein und wieder starten – das macht dich kaputt. Jetzt könnte natürlich jemand daher kommen und sagen „Ahaaaa, Selbstliebe ist der Ausweg/die Ausrede für die Dicken, die es nicht schaffen abzunehmen“ – nein, so ist es nicht. Jeder hat das verdammte Recht glücklich zu sein und dieses ewige Vergleichen, vor dem Spiegel stehen, denken „was werden die anderen sagen“, das Einhüllen in farblose Zelte  und sich-selbst-kritisieren abzulegen.  Ich fühle mich nicht immer wohl in meinem Körper - das stimmt - und ich bin überzeugt, dass viele andere Menschen, die Fat Acceptance propagieren, auch hin und wieder solche Momente haben, in denen sie sich vergleichen oder unzufrieden sind . Aber ich will nicht einem utopischen, evtl. zukünftigen „Ich“ hinterherjagen, oder alles Schöne auf diese vielleicht nie eintretende Zukunft verschieben, denn ich lebe jetzt in diesem, meinen Körper. Also nehme ich mich an und bin gut zu mir! Aus diesem Grund finde ich Fat Acceptance so wichtig, es geht um Selbstliebe und dem Freimachen von gesellschaftlich eingetrichterten Vorstellungen und Ansprüchen.  Nicht du bist falsch, sondern das Idealbild ist utopisch. Sogar Dünne stehen vor dem Spiegel, sind unzufrieden und eifern einem Frauenbild nach, das unerreichbar ist, eben weil sie sich mit Models vergleichen.

 

Das kann doch gar nicht gesund sein!

Ich denke mir: Doch, bin ich aber!

Wenn du dick bist, wird so gut wie jedes Zipperlein mit deinem Übergewicht erklärt. Blutwerte nicht ganz ok - aha, du bist zu dick. Es kommt nur schwer einer auf den Trichter, dass es vielleicht an etwas anderem liegt, denn die Diagnose ist ja nicht zu übersehen. Außerdem ist Dick = Krank. Aber das ist es nicht! Ja, ab einem gewissen Punkt bestreite ich gar nicht, dass Übergewicht riskant ist und Krankheiten verursacht, aber wo dieser Punkt ist, kann man nicht anhand des BMI – der übrigens so viel Aussagekraft wie das Parteiprogramm der AfD hat – einheitlich festlegen. Ich bin kein Leichtgewicht, aber ich bin kerngesund, bewege mich und habe keinerlei Einschränkungen. Böse Zungen sagen jetzt vielleicht  „Noch nicht“, aber grundsätzlich hängt schwerpunktmäßig die Lebensweise mit dem gesundheitlichen Risiko zusammen, von daher fühle ich mich in dieser Hinsicht auf der sicheren Seite.

 

Das darf bei dir aber nicht mehr werden!

Ich denke mir: What the fuck? Geht’s noch?

Ja, genau! Ich höre hier und jetzt auf zu Essen und baue diese Heizungs-Feststell-Schnippel an die Waage, damit der Zeiger nicht weiter kann! Wenn ich mein Gewicht steuern könnte, wie ich es wollte, würde ich im Zirkus auftreten. Jemand sagt dir, dass du noch im Rahmen, aber schon hart an der Grenze zu „das geht gar nicht“ bist. Wirklich sehr nett! Wieder diese Aufforderung „Nimm doch ab“, nur etwas besser versteckt! Diesen Satz kann ich wirklich gar nicht mehr hören.

 

Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber…/ Es ist ja nicht böse gemeint, aber …!

Ich seufze innerlich. Na was kommt jetzt?

Nach so einer Einleitung kommt garantiert nichts Nettes! Am besten Aufstehen und Gehen. Meine Figur ist meine Privatsache, so wie die Zähne, Haare, Tattoos von jemandem auch seine Privatsache sind.  Von einer Freundin lasse ich so einen Satz schon mal zu, aber sage ihr danach auch gleich meinen Standpunkt, natürlich auf freundliche Art und Weise. Denn ich will keinen beleidigen und wähle meine Worte mit Bedacht - sonst wäre ich ja so wie besagte Leute, die diese Sprüche raushausen.


 "Es kommt nicht darauf an, wie andere dich behandeln, sondern wie du dich behandeln lässt! "




Obige Sätze gibt es sicherlich zuhauf. Leider höre ich sie immer mal wieder. Wahrscheinlich machen sich Gesprächspartner oft keine Gedanken, in welche Position sie dich mit ihren Aussagen bringen. Gerade in einer großen Runde stehst du plötzlich in der Ecke und musst dich rechtfertigen, weil du dick bist. Bescheuert. Ich entscheide immer nach Gesprächspartner, wie ich reagiere. Jemand, der mir nicht sonderlich am Herzen liegt, kann da schon mal einen verbalen Sturm entfesseln und wünscht sich danach nichts gesagt zu haben. Warum soll ich mich zurückhalten – derjenige hat sich doch auch nicht zurückgehalten. Es ist schon bezeichnend, dass Menschen, die eigentlich kaum etwas mit dir zu tun haben, glauben ihre Meinung zu deiner Figur äußern zu dürfen  - und ja, das ist oft beleidigend und abwertend – auch wenn die Person dass eigentlich nicht beabsichtigt hat. Ich werde in diesem Moment nur als die „Dicke“ gesehen und fühle mich wie ein kleines Kind, dass von einem Nachbarn getadelt wird, weil es Äpfel aus einem fremden Garten gepflückt hat. Diese Situationen sind unangenehm, machen mir manchmal den Abend kaputt, aber manchmal schaffe ich auch schlagfertig zu antworten und mir den Abend nicht vermiesen zu lassen. Aber sie hinterlassen immer einen bitteren Nachgeschmack, brennen sich für Wochen oder manchmal Jahre in mein Gedächtnis. Ich lasse mir so etwas nicht mehr gefallen.

 
Man muss nicht von Fat Acceptance überzeugt sein, aber Gesprächspartner können „unterlassen“. Es unterlassen Menschen aufgrund ihres Äußeren zu einer Rechtfertigung mit obigen Sätzen aufzufordern, unterlassen jemanden Dummheit, Krankheit oder mangelnde Disziplin aufgrund von sichtbarem Übergewicht zu unterstellen. Einfach mal die Klappe halten!