18. April 2016

„Fitness statt Fatness“ und warum man den Slogan von Karstadt Sport auch anders verstehen kann!


Am  Wochenende postete Tanja Morfa von Kurvenrausch-Hamburg auf Instagram und Facebook ein Plakat der neuen Aktion von Karstadt Sport und löste damit, zumindest auf Facebook, eine Minidiskussion aus. Während einige der Meinung waren, dass dies gegen Dicke gerichtet sei, Vorurteile schüre und eher Kunden vergraule, waren andere der Meinung, man dürfe sich nicht so anstellen, solle das nicht persönlich nehmen und verstehe das falsch.

Erst einmal zu den Fakten: Karstadt Sport gewährt 20% Rabatt auf ein Sportprodukt bei Vorlage von Fastfood-Coupons. Geile Aktion! Ehrlich! Klar ist das ein Werbegag, aber dahinter steckt ja die Absicht, die Kunden dazu zu bewegen über die eigene Ernährung nachzudenken und zu animieren Sport zu treiben – und natürlich bei Karstadt Sport zu kaufen.

Ist doch super! Ernährung und Bewegung ist das A und O um gesund zu leben! Und spätestens nach dem Film „Supersize Me“, weiß man was Fast Food dem Körper antun kann, wenn man sich ausschließlich von Mc Donalds und Co ernährt. Macht natürlich in dem Ausmaß keiner, aber erschreckend waren die Resultate des Selbstversuchs aus dem Film doch. Das Plakat mit dem Karstadt Sport wirbt trägt den Slogan „Fitness statt Fatness“  und zeigt einen Burger belegt mit Sportartikeln!

Ich habe das Plakat gesehen und war direkt angepisst. Ernsthaft? Was ist denn das für eine Scheisse? Geht’s noch? Ich habe mir auf Instagram direkt Luft gemacht.  Plöhöööd und etwas voreilig – ich weiß! Denn danach habe ich die Diskussion auf Facebook  verfolgt und erst dann einmal recherchiert, was überhaupt hinter diesem Plakat steckt. Nachdem ich mich abgeregt und eine Nacht darüber geschlafen habe, bin ich zwar der Ansicht, dass die Rabattaktion super ist, ich aber das Plakat dennoch scheisse finde.  Darf ich auch.

Jemandem, der der Meinung ist, dass ich das Plakat falsch verstanden habe oder mich anstelle, würde ich aber gerne einen anderen Blickwinkel eröffnen. Und vorweg - ja, ich habe den Tiefschlag gegen McDonalds und Co. verstanden, aber nicht nur. Folgendes kommt mir auch in den Sinn - und bestimmt auch anderen Plussize-Menschen-  wenn ich den Slogan „Fitness statt Fatness“  lese:

Fitness ist gut und Fatness ist schlecht. Fitness ist also der wünschenswerte Zustand und Fatness ein Zustand der geändert werden sollte und inakzeptabel ist. Also ist jemand der fett ist, nicht ok wie er ist. Fitness und Fatness schließen sich demnach aus, denn dicke Menschen sind nicht fit und daher auch unsportlich – woher soll die Fitness denn auch kommen. Ein Schlag in die Fresse für jeden dicken Menschen der Fahrrad fährt, schwimmen geht oder sich sonst in irgendeiner Weise sportlich betätigt. Niemandem steht auf der Stirn geschrieben wieviel Sport er die Woche über macht, man geht immer nur davon aus, dass alle Dünnen sportlich und alle Dicken unsportlich sind. Ist aber nicht so! Die meisten meiner Freundinnen sind schlank – aber wenn ich am Wochenende Joggen oder Inline-Skaten möchten, kann ich nur eine oder zwei fragen, ob sie mitmachen wollen. Der Rest prustet los und fragt mich, ob ich wahnsinnig bin.

„Kommt du mit joggen?“

„Sorry, mein Einhorn ist krank!“

„Willst du mich verarschen?“

„Wer hat denn damit angefangen?!“

 

Was mir das Plakat noch sagt: Wenn du fett bist, kommt das daher, dass du nur Fastfood in dich reinfrisst. Das Dicksein hat so viele Gründe und Ursachen, daher ist es ziemlich dumm und viel zu einfach, das allein mit Fastfood-fressen erklären zu wollen. Einzige Tatsache die zum Dicksein führt ist (Achtung: Weisheit!): Man nimmt mehr Kalorien zu sich, als man verbraucht! Ganz simpel. Wie diese Kalorien sich zusammensetzen, kann niemand an der Nasenspitze eines Menschen erkennen.  Die Begleitumstände kann man nur erahnen und keiner sollte sich zu Pauschalaussagen hinreißen lassen.

Na klar wird bei diesem Slogan mit Klischees gespielt, aber ich fühlte mich als Dicke als unsportliche Fastfood-Fresserin abgestempelt, die ungesund lebt. Und das entspricht mir persönlich überhaupt nicht!

Wie gesagt, mein Verständnis muss nicht dem Verständnis der Mehrheit entsprechen, wird es sicher auch nicht. Ist auch ok, aber man KANN den Slogan auch anders verstehen und man KANN sich angegriffen fühlen. Man KANN aber auch einfach den Slogan „Fitness statt Fastfood“ verwenden.  Man KANN aber auch bei einem Laden kaufen, der dir nicht werbetechnisch in die Fresse haut, wenn du als dicker Mensch neue Sportschuhe brauchst.

In jedem Fall muss jeder für sich entscheiden, wie er die Werbung versteht. Verschiedene Meinungen sind wunderbar, und ich bin dankbar, wenn mich mal jemand argumentativ an die Hand nimmt und mir einen anderen Blickwinkel aufzeigt. Dies und nichts anderes habe ich hiermit versucht.



In diesem Sinne, einen schönen Start in die Woche!

Jessi

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