22. April 2016

Mein Plussize-Brautkleid - figurbetont in Größe 44/46 - und Tipps für die Plussize-Brautkleid-Suche!

Dieses Outfit sollte eigentlich mein erster Outfit-Post werden, aber da ich diesen Beitrag besonders gut machen wollte, ist es nun der zweite geworden!

Monate bevor ich hiermit gestartet habe, wuchs die Idee zu einem Plussize-Blog in mir - war ich doch schon immer stille Mitleserin bei vielen tollen Plussize-Mädels. Mindestens genauso lange habe ich mir Gedanken zum allerersten Outfit gemacht, das ich vorstellen wollte - ok, jetzt ist es das zweite. Welches Kleid ist das wohl wichtigste Kleid im Leben einer Frau? Richtig – das Brautkleid!





Ich habe letztes Jahr meinen Traummann heiraten dürfen und hatte MEIN Kleid nach langer, frustrierender Suche spontan gefunden. Hierfür möchte ich etwas ausholen. Ich war zuerst in einem regional bekannten Brautmodengeschäft, denn ursprünglich wollte ich gerne ein kurzes, weißes Kleid im 50er-Jahre Stil. Also Trauzeugin eingepackt und los. Im Brautmodengeschäft angekommen, kam erst einmal die Ernüchterung „Wie? Sie haben keinen Termin und heiraten auch schon im Juni? Oh, dann müssen Sie jetzt aber bald ein Kleid finden, sonst wird das nix mehr!“ – es war Januar. Die freundliche aber entsetzte Verkäuferin erklärte mir, dass man spätestens 6 Monate vor der Hochzeit sein Kleid gefunden haben sollte, denn mit Bestellung und Änderung dauert das eben! What the fuck?! Was für ein Druck!

Kurze Kleider gab es in diesem Geschäft auch, nur leider ausschließlich in Größe 36/38 und größer bestellen ging nur, wenn ich das auch direkt kaufe. Aber wie soll ich da denn sehen, ob mir das überhaupt steht – und bin ich überhaupt der klassische Brauttyp, in weiß und mit Schleier und überhaupt? Die nette Verkäuferin lotste mich durchs Geschäft und zeigte mir die Plus Size Abteilung. „Wie? Mehr nicht? Ist da auch was Kurzes dabei?“. Natürlich war nicht ein kurzes Plussize-Kleid dabei, nur bestickte und beperlte Brautzelte aus Taft und Tüll. Kaum Spitze! Ja ok, es waren schon schöne Kleider in super Qualität, aber immer nur in zeltiger Form. „Sie müssen den Fokus auf ihre schöne Taille und ihr tolles Dekollete‘ setzen, das macht eine tolle Figur“ – immerhin erkannte die nette Dame sofort meine Lieblingszonen! Ich hatte auch noch ordentlich Bauch, schließlich war die Geburt meines Sohnes erst sechs Monate her. Ich probierte einige Kleider an, aber so richtig gefunkt hat es nicht! Dankend verabschiedete ich mich!

An diesem Abend durchforstete ich das Internet und Ebay, auf der Suche nach Kleidern in 44/46. Es war zum Verzweifeln! Gibt es denn echt keinen Hersteller, der seine Brautkleider mal von Plus Size Frauen vorführen lässt? Mich interessiert doch nicht wie ein Model darin aussieht, sondern eine Frau wie ich! Fast hätte ich mir etwas im Internet maßschneidern lassen (Tipp: Oh Gott, lasst so einen Scheiss. Ernsthaft! Damit kann man ganz fies auf die Nase fallen!! Oft haben diese Internetshops nicht mal ein Impressum!! Tschüss Kohle!)  Das Problem war, dass ich nicht wusste was ich wollte! Ich wusste nur, was ich nicht wollte: Kein besticktes Brautzelt in ivory, das meine Figur weg kaschiert und mir hinten ein „Rückendekollete`“ zaubert! Und klassischer Standard – das bin sowieso nicht ICH!

Ich bestellte mir noch einige aus einem Online-Shop und schaute in verschiedenen Brautmodengeschäften und in Outlet-Stores. Meine Freundinnen waren keine Hilfe – da mache ich ihnen aber auch keinen Vorwurf. Ich war kein leichter Fall!  Letztendlich war ich verzweifelt und an dem Punkt „Scheiss egal – Hauptsache du musst nicht nackt heiraten“. Ich fand ein Ist-ganz-hübsch-Kleid in einem schönen, winzig-kleinen Outletgeschäft mit einer sehr, sehr netten Verkäuferin, die bereit war mir viele Extras ans Kleid zu klatschen, damit es irgendwie zu MEINEM Kleid wurde. 

Es kam der Tag der Anprobe – 4 Wochen vor der Hochzeit – ich hatte bis dahin weiterhin das Internet durchforstet in der Hoffnung, dass doch noch ein Wunder geschieht und mir eine gute Fee MEIN Kleid vor die Füße legt! Irgendwie war ich nicht richtig glücklich und bzgl. des Kleides innerlich rastlos und unsicher. Zudem hatte ich mir das alles einfacher vorgestellt, aber nun war es eben so!

Im Laden angekommen brachte ich die Anprobe hinter mich und sah aus dem Augenwinkel etwas im Schaufenster – was ist denn das für ein cooles Kleid? 
„Ähm, das Kleid da vorne – das ist ja schön“ 
„ Ja, das hatten wir hier, weil das jemand für eine Fernsehshow anprobieren sollte, aber das geht nächste Woche ins Hauptgeschäft zurück“.  
Wir waren fertig mit abstecken, ich zog mich wieder um und auf dem Weg hinaus blieb ich vor besagtem Kleid stehen – auf dem Etikett stand Größe 44!  Und es war soooo schön!
„Halten Sie mich für bescheuert, wenn ich das jetzt anprobieren möchte?“ Die Verkäuferin sah mich verdutzt an. „Öhm, öhm, öhm - nö, kein Problem.“

Ich zog das Kleid also an und es passte – nun ja fast – „ach, da könnte man aber den Reißverschluss durch eine Schnürung ersetzen, das ist wirklich kein Problem“.  So tauschte ich das erste Ist-ganz-hübsch-Kleid in MEIN Kleid! Außer meiner Trauzeugin wusste keiner davon! So habe ich durch Zufall MEIN Kleid gefunden.


Eigentlich bin ich schon sehr selbstbewusst, aber bis zur Hochzeit machte ich mir trotzdem Gedanken, was denn wohl meine Familie und Freunde zu diesem figurbetonten Kleid sagen würden. Ich war echt aufgeregt, obwohl ich wusste, dass ich eine gute Wahl getroffen hatte. Als Plussize-Frau scheinen ja immer alle zu wollen, dass du dich versteckst und "kaschierst" -  wie ich dieses Wort mittlerweile hasse.

Auch wenn in Ratgebern und Zeitungen steht, dass man für einen Meerjungfrauen- oder Trumpet-Schnitt sehr schlank sein muss, sollte man darauf nichts geben, sondern einfach mal so etwas anprobieren. Es kommt dabei ganz stark auf die Figur und die Verteilung der Kilos an. Ich hatte ein Kleid in diesem Stil und ja, man sah meinen Bauch und meine Rundungen, aber es passte zu mir! Es war außergewöhnlich und entsprach meinem Stil! Vielleicht haben das einige als unvorteilhaft bezeichnet – mir gegenüber hat zwar keiner etwas Negatives gesagt – aber wer nicht gesehen hat, dass dieses Kleid meiner Person entsprach, der kennt mich einfach nicht! 

Ich liebe mein Kleid, immer noch!Und mein Mann fand mich wunderschön!


Mein Kleid habe ich übrigens von Cynderellas Welt und den Fascinator (jap, so nennt sich das Teil in den Haaren) von Schoenmich Accessoires



Meine Erfahrungen möchte ich aber gerne teilen und habe daher zusammengefasst, was ich aus meiner Brautkleid-Odyssee gelernt habe.

Mein Tipps für Plussize-Frauen auf Brautkleidsuche: 


1. Um die sicherlich nette Verkäuferin gleich auf den richtigen Weg zu bringen, sag ihr am besten wie du zu deiner Figur stehst: Du willst dich zeigen und bist mit deinem Körper zufrieden? Dann sag ihr das! Oder willst du lieber hier und da etwas verstecken (was ja jeder Frau selbst überlassen ist)? Dann gleich raus damit. So bringst du die Verkäuferin nicht in die Lage, dir vielleicht mit einem bestickten Sack, dass sich Brautkleid nennt, um die Ecke zu kommen, worauf du womöglich empört reagierst. Klar gibt es Verkäuferinnen, die denken jede Frau ab Größe 40 will alles weg kaschieren, aber diese Exemplare erkennt man recht schnell und kann sich ja noch woanders umschauen.

2. Wenn du einen Termin in einem Brautmodengeschäft machen möchtest, erkundige dich vorher wie dort die Auswahl im Plussize-Segment ist. Die Aussage "Wir können in allen Größen bestellen" hilft dir nicht weiter, denn du willst ja Kleider in DEINER Größe anprobieren! Für 500m² mit Größe 36/38-Kleidern kannst du auch zuhause bleiben.Wie willst du denn da erkennen, ob dir ein Kleid steht, wenn es nicht einmal annähernd deine Größe hat.

3. Lass dich von jemandem begleiten, der ein positives Körperbild von dir hat. Eine Tante oder Mutter, die dir permanent sagt wie unvorteilhaft etwas geschnitten ist, dich und deine Figur schon immer kritisiert habt und nicht erkennt, worin du strahlst und dich wohlfühlst, die kannst du getrost zuhause lassen! Du bist nicht gut beraten mit jemandem, der dir rät alles weg zu kaschieren, sondern nur mit einer Person, die deine Vorzüge kennt und dir hilft, dafür dein richtiges Kleid auszuwählen. Bei mir war diese Person meine beste Freundin, sie hat mich in meiner Wahl bestärkt und mir ein Stück weit meine Bedenken genommen.  Am Ende entscheidest sowieso nur du alleine!

4. Schau dich vorher nicht stundenlang im Internet um und wälze keine 30 Magazine. Es besteht die Gefahr, dass du dich auf etwas einschießt und traurig bist, wenn du das nicht findest. Anprobieren ist das A und O, denn oft wählt frau am Ende ein ganz anderes Kleid als ursprünglich gedacht.   Es sei denn, du hast die finanziellen Mittel, dir dein Kleid von einem guten Schneider auf den Leib schneidern zu lassen. Falls Bedarf besteht, ich hätte da ein oder zwei Adressen ;-)

5. Mach keine faulen Kompromisse! Wähle kein Kleid, nur weil du gefrustet bist oder unter Druck stehst ganz schnell etwas finden zu müssen, auch wenn du spät dran bist. Schau dich weiter um. Mach Termine bei verschiedenen Brautmodengeschäften, zur Not nimm auch etwas Fahrstrecke in auf! Glaub mir, es lohnt sich! Wenn du dein Kleid gefunden hast, wirst du es sicher merken!

6. Lass dich nicht bequatschen! Deine Oma ist so nett und zahlt dein Kleid, würde dich aber gerne in einem Traum aus Spitze sehen, obwohl du eher auf Tüll stehst. Du hast eine tolle Oma, aber das ist DEIN Tag! Wenn sie dich glücklich machen möchte, soll sie DICH die Entscheidung treffen lassen. Versuch ihr freundlich klar zu machen, zur Not mit Hilfe von Mama, Papa oder Opa, dass du etwas anderes möchtest und das DEIN Tag ist.

In diesem Sinn, lass dich bei der Brautkleid-Suche nicht verrückt machen, irgendwo da draußen ist dein Kleid und wartet auf dich! Manchmal springt es einen sogar aus dem Schaufenster an ;-) 

Schönes Wochenende,

deine Jessi


PS: Die Fotos sind übrigens von meiner Lieblings-Fotografin Elke. Zu finden auf Facebook, siehe hier >> Fotostudio EK-Pictures

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